Wildbienen
Wildbienen

Wildbienen

Eifrige Bestäuber für
Obst- und Gartenbau –
doch das Summen wird immer leiser

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Inhalt

Wissenswertes rund um Wildbienen

Vorkommen und Bedeutung

Gefährdung und Ursachen

Lebensweise und Nestbau

Mauerbienen: Fleißige Hilfe im Obst- und Gartenbau

Brutverhalten

Bestäubungsleistung

Häufige Fragen – FAQ

Wissenswertes rund um Wildbienen

Bei Wildbienen handelt es sich um andere Bienenarten als die bekannteste Art der Bienen, nämlich die Honigbiene. Die Benennung "Wildbienen" bezeichnet somit nicht die Urform der Honigbiene, bevor sie durch Imkerei domestiziert wurde, sondern eine Vielfalt verschiedener Arten, die unter diesem Begriff zusammengefasst werden.

Vorkommen und Bedeutung

Weltweit gibt es schätzungsweise 30.000 Wildbienenarten, deren Mehrheit in den Tropen vorkommt. In Mitteleuropa geht man von 500-570 Arten aus.

Wildbienen leisten einen enorm wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt, indem sie für die Bestäubung zahlreicher Wild- und Kräuterpflanzen aber auch verschiedener Obst- und Gemüsesorten verantwortlich sind.

Rote Mauerbiene
Auf Nahrungssuche

Rostrote Mauerbienen schätzen die Blüten der Wilden Johannisbeere.

Gefährdung und Ursachen

Das Summen auf der Wiese wird rasant leiser. Etwa die Hälfte der in Deutschland lebenden Arten ist gefährdet, einige stehen bereits auf der Roten Liste und sind vom Aussterben bedroht. Warum ist das so? Zu den Ursachen zählen die intensiv betriebene Landwirtschaft und der Einsatz verschiedener Pestizide. Viele Wildkräuter stellen jedoch unter anderem für Wildbienen eine lebenswichtige Nahrungsgrundlage dar. Einige Wildbienenarten sind auf bestimmte Pflanzen angewiesen und können durch deren Fehlen nicht überleben. Auch pflegeleichte Gärten werden immer mehr zum Trend, wodurch sich der kleiner werdende Lebensraum für wildlebende Tiere weiter verringert. Zudem sind gefüllte Blüten sehr beliebt, doch durch die zurückgebildeten Staubblätter bieten gefüllte Blüten keine Nahrung für Bienen und andere bestäubende Insekten. Zudem kommt erschwerend hinzu, dass die Wildbienen immer weniger geeignete Nistmöglichkeiten finden.

Das Schwinden dieser unentbehrlichen Bestäuber hat leider ernste Konsequenzen für Natur und Mensch. Viele Obst- und Gemüsepflanzen sind auf die Bestäubung durch Wildbienen angewiesen. Manche Pflanzen sind so spezialisiert, dass Sie nur von einer bestimmten Wildbienenart bestäubt werden können.

Gehörnte Mauerbiene
Fleißige Bestäuber

Die Gehörnte Mauerbiene sammelt fleißig Pollen an Obstblüten.

Wer Wildbienen und andere Insektenarten unterstützen und einen aktiven Beitrag zu ihrem Schutz leisten möchte, kann dies bereits mit einfachen Mitteln tun. Ein erster Schritt ist das Bereitstellen von sinnvoll befüllten Insektenhotels. Mindestens genauso wichtig ist es, darauf zu achten, dass in der näheren Umgebung der Nisthilfe auch ein ausreichendes und vielfältiges Nahrungsangebot vorhanden ist. Mit speziellem, insektenfreundlichem Saatgut können Sie bunt blühende Wildblumenwiesen aussäen, über die sich die Nützlinge besonders freuen.

Sie möchten mehr über die Vielfalt und ökologische Bedeutung der Wildbienen erfahren? Bei uns finden Sie eine hilfreiche Auswahl an informativen Büchern und Broschüren.

 

Lebensweise und Nestbau

Wildbienen nisten auf verschiedene Art und Weise. Rund die Hälfte aller mitteleuropäischen Wildbienenarten baut ihre Nester im Boden (z.B. in Sand oder Lehm). Andere Arten errichten die Brutzellen in bestehenden Hohlräumen wie leeren Schneckenhäusern, Pflanzenstängeln, Stämmen oder Steinen. Manche Wildbienenarten, wie die große Holzbiene, nagen sich auch geeignete Hohlräume in Totholz oder weiches Pflanzenmark. Die wenigsten bauen Freinester aus Harz oder mineralischem Material. Grundsätzlich kann man Wildbienen hinsichtlich ihres bevorzugten Nistplatzes wie folgt unterscheiden:

Solitär: Die meisten Wildbienenarten leben solitär als Einzelgänger. Nachdem sie in den Brutkammern voll entwickelt überwintert haben, schlüpfen die Solitärbienen im Frühjahr. Da ihre Lebensdauer nur ein paar Wochen beträgt, widmen sich die Weibchen direkt nach dem Schlupf der Paarung und dem Nestbau. Anschließend sammeln sie Nektar und Pollen. Eingelagert in die Brutkammer dient dies als Nahrungsgrundlage (Bienenbrot oder Pollenbrot genannt) für den Nachwuchs. Hat die Biene ausreichend Vorrat bereitgestellt, legt sie ihr Ei am Pollen ab und verschließt jede Brutzelle mit einem Lehmgemisch. Nach etwa 4-10 Tagen schlüpfen die Maden. Sie entwickeln sich zu fertigen Solitärbienen und warten in ihren Kokons auf den Frühling.

Wildbienen-Eier in der Brutröhre
Brutröhre zur Beobachtung aus Glas

6 Brutkammern mit Eiern und Bienenbrot

Staatenbildend: Zu den wenigen staatenbildenden Wildbienenarten gehören Hummeln und einzelne Arten der Furchenbienen. Das Nest wird z.B. bei Hummeln gemeinschaftlich genutzt und die Nachkommen zunächst von der Königin und später von aufgezogenen Arbeiterinnen gefüttert. Es überleben von einem Hummelvolk nur begattete Königinnen, die im Boden überwintern. Furchenbienen graben selbst Nester im Boden, in denen ihre Brutzellen nah beieinander liegen.

Nutzung fremder Nester: Kuckucksbienen erhielten ihren Namen, da sie wie der gleichnamige Vogel ihre Eier in fremde Brutstätten schmuggeln. Dabei warten sie den günstigsten Zeitpunkt ab: In eine mit Pollenbrot befüllte fremde Brutzelle wird das Ei gelegt, während die Erbauerin gerade unterwegs ist. Bereits vorhandene Eier oder Larven können auf diese Weise für die Nachkommen der Kuckucksbiene ebenso zu Nahrungsvorräten werden.
 

Mauerbienen: Fleißige Helfer im Obst- und Gartenbau

Mauerbienen gehören zu den Wildbienen. Etwa 50 verschiedene Arten der Mauerbiene sind in Mitteleuropa ansässig, ihr Aussehen und Ihre Lebensweise unterscheiden sich von Art zu Art erheblich. Zu den in Deutschland am häufigsten vorkommenden Arten gehören die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) sowie die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis).

Brutverhalten

Mauerbienen sind Einzelgänger, sie bauen ihre Nester allein und versorgen ihre Brutzellen und die darin abgelegten Larven ohne die Hilfe von Artgenossen. Sie werden deshalb auch als Einsiedler- oder Solitärbienen bezeichnet. Es werden keine Staaten oder Völker gebildet und es gibt auch keine Königin wie es zum Beispiel bei Honigbienen oder Hummeln der Fall ist.

Die Rote Mauerbiene beispielsweise legt ihre Brutzellen hintereinander in der Brutröhre an (Linienbau). Sie kann während der Eiablage das Geschlecht der Nachkommen bestimmen. Aus befruchteten Eiern schlüpfen Weibchen. Diese werden in der Brutröhre zuerst abgelegt. Die zuletzt in der Brutröhre gelegten Eier werden nicht befruchtet und entwickeln sich zu Männchen, die dann folglich im Frühjahr als erste schlüpfen. Wenige Tage später folgen die Weibchen und es kommt zur Paarung.

Lebenszyklus der Mauerbiene

Mauerbienen beginnen zeitig nach dem Schlupf mit der Paarung.

Die begatteten Mauerbienen-Weibchen suchen sich geeignete Nistmöglichkeiten mit guten Nahrungsquellen in der Nähe, wo sie in den nächsten Wochen ihre Eier ablegen.

Aus den Eiern entwickeln sich wenige Tage später Larven. Diese ernähren sich vom Pollenvorrat.

Nach einigen Häutungen entwickelt sich die Larve zu einer Puppe. Bei den meisten Arten spinnt sich die Larve dafür in einen Kokon ein, worin sie sich in ein fertiges Insekt entwickelt.

Eingehüllt in ihrem natürlichen Kokon überwintern die Puppen in den Nistgängen. Dabei sind sie auch vor Frost und kalten Temperaturen geschützt.

Die fertig entwickelten Bienen schlüpfen im Frühling, je nach Art etwas früher oder später. Zuerst kommen die Männchen, im Anschluss die Weibchen.

Mauerbienen nisten je nach Art in vorhandenen Hohlräumen, in sandigen Böden (diese Arten werden auch "Steilwandbewohner" genannt), in markhaltigen Pflanzenstängeln, Totholz oder sogar in leeren Schneckenhäusern. Die größte Gruppe bilden die Hohlraumbewohner, zu denen auch die Gehörnte und die Rote Mauerbiene zählen. Hohlraumbewohnende Mauerbienen nutzen zur Eiablage zum Beispiel Fraßgänge von Käfern. Da natürlich vorkommende Hohlräume immer weniger werden, ist das Bereitstellen von Wildbienenhotels ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz.

Bestäubungsleistung

Die beiden einheimischen Mauerbienenarten Gehörnte Mauerbiene und Rote Mauerbiene eignen sich optimal als Bestäuber für den gewerblichen Obstanbau und in privaten Gärten. Der Flugradius der Gehörnten und der Roten Mauerbiene beträgt nur wenige Hundert Meter, somit sollten in der unmittelbaren Umgebung des Nistplatzes viele Blühpflanzen vorhanden sein. Bevorzugt werden die Blüten von Stein- und Kernobst angeflogen, weshalb Mauerbienen ausgezeichnete Bestäuber für den Obstanbau sind.

Die Hauptflugzeit der Gehörnten Mauerbiene findet ab Mitte März bis Ende Mai statt, sie ist daher besonders geeignet zur Bestäubung von Steinobst (z.B. Mirabellen, Kirschen). Die Rostrote Mauerbiene fliegt etwas später, sie startet ab Mitte bis Ende April und fliegt bis Ende Juni. Sie ist somit ein idealer Bestäuber für späteres Steinobst (z.B. Zwetschgen) und Kernobst (z.B. Äpfel und Birnen), Erdbeeren, Himbeeren sowie Johannis- und Stachelbeeren

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Mauerbienen viel effizienter beim Bestäuben vieler Obstsorten sind als Honigbienen.

Bestäubungsleistung der HonigbieneBestäubungsleistung der Mauerbiene

Die Bestäubungsleistung der Mauerbiene bei Apfelblüten ist etwa 80-fach besser als die der Honigbiene (Quelle: Schweizerische Bienen-Zeitung, 123 (2000), Heft 10, S. 593-595). Das hat unter anderem folgende Ursachen:

  • Mauerbienen fliegen bereits bei niedrigeren Temperaturen und Nieselregen aus während die Honigbiene erst ab frühlingshafteren 12° C emsig wird.
  • Die Rostrote und die Gehörnte Mauerbienen zählen zu den sogenannten "Bauchsammlerbienen": Bei den Weibchen dieser Art ist die Unterseite des Hinterleibs dicht behaart. In dieser "Bauchbürste" sammeln sie den Pollen trocken. Bei der nächsten Blüte wird dieser besser auf die Narbe übertragen als der mit Nektar angefeuchtete Pollen im Pollenhöschen der Honigbiene.
  • Viele Obstsorten wie zum Beispiel Apfel-, Birnen- und Süßkirschenbäume sind selbststeril (vereinfacht gesagt führt der eigene Pollen nicht zur Befruchtung der Blüten, stattdessen wird ein anderes Exemplar der gleichen Art als "Pollenspender" benötigt). Daher ist es von Vorteil, dass Mauerbienen schnell und oft zwischen den Bäumen wechseln und nicht systematisch einen Baum "absammeln", wie es Honigbienen tun.

Mauerbienen weichen der Honigbiene übrigens auf der Blüte aus, die Honigbienen werden somit nicht verdrängt. Sie stellen deshalb keine Konkurrenz zur Honigbiene dar.

Häufige Fragen - FAQ

Sind Wildbienen gefährlich?

Wildbienen sind höchst friedfertige Insekten, die in den seltensten Fällen zustechen auch dann nicht, wenn man sich ihnen oder ihrem Nest nähert. Die meisten Arten besitzen zwar einen Stachel, den nutzen sie aber (anders als die Honigbiene) nicht zur Verteidigung. Außerdem ist dieser meist zu kurz, um einen für uns Menschen schmerzhaften Stich zu hinterlassen. Es gibt somit keinen Grund, sich vor diesen friedlichen und doch so wichtigen Tieren zu fürchten.

Wie lange fliegen Wildbienen aus?

Die Hauptflugzeit der Wildbienen ist ungefähr von März bis September. In dieser Zeit sind die Tiere eifrig mit Paarung, Nestbau und Nahrungssuche beschäftigt. Wenn Sie Wildbienen unterstützen möchten, sollten Sie in diesem Zeitraum auf ein vielfältiges Angebot an Wildblumen achten und bereits vorher entsprechende Nisthilfen aufhängen bzw. aufstellen.

Was machen Wildbienen im Winter?

Je nach Wildbienenart gibt es unterschiedliche Wege zur Überwinterung. Manche vergraben sich unter der Erde. Der Nachwuchs anderer Wildbienen wie Mauerbienen ist beispielsweise in Kokons sicher vor Frost geschützt. Die bei uns üblichen Minusgrade sind für die Tiere unbedenklich. Auch wenn es mal einige Tage etwas wärmer ist, schadet das den Wildbienen nicht. Sie haben eine Art innere Uhr eingebaut und wissen intuitiv, wann der richtige Zeitpunkt für den Schlupf gekommen ist.