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Wildbienen

Wildbienen

 

Friedfertige Nützlinge 

 

Bei Wildbienen handelt es sich um andere Bienenarten als die bekannteste Art der Bienen, nämlich die Honigbiene. Die Benennung "Wildbienen" bezeichnet somit nicht die Urform der Honigbiene, bevor sie durch Imkerei domestiziert wurde, sondern eine Vielfalt verschiedener Arten, die unter diesem Begriff zusammengefasst werden.

Arten

Weltweit gibt es schätzungsweise 30.000 Wildbienenarten, deren Mehrheit in den Tropen vorkommt. In Mitteleuropa geht man von 500 - 570 Arten aus. 

Laut Bellmann kann man sie in etwa 6 übergeordnete Familien einteilen:

  • Colletidae – Urbienen (Gattung Hylaeus/Urbienen, Colletes/Seidenbienen)
  • Andrenidae – Sandbienen (Gattung Andrena/Sandbienen, Panurgus/Zottelbienen u.a.)
  • Halictidae -Schmal- und Furchenbienen (Gattung Halictus/Furchenbienen, Lassioglossum/Schmalbienen, Sphecodes/Blutbienen u.a.)
  • Melittidae – Sägehornbienen (Gattung Melitta/Sägehornbienen, Dsypoda/Hosenbienen, Macropis/Schenkelbienen)
  • Megachilidae – Bauchsammlerbienen (Gattung Osmia Mauer-, Scheren-, Löcherbienen, Anthidium/Woll- und Herzbienen, Megachile/Blattschneider- und Mörtelbienen u.a.)                                                                                                             
  • Apidae – Echte Bienen mit der Unterfamilie Apinae (Anthophora/Pelzbienen, Melecta /Trauerbienen, Xyolocopa/Holzbienen, Bombus/Hummeln, Nomada/Wespenbienen, u.a.)

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Obere Reihe nach rechts: Seidenbiene, Wollbiene, Scherenbiene, untere Reihe nach rechts: Blattschneiderbiene, Weidensandbiene, Erdhummel (Fotos © Meinrad Lohmüller, Projekt Wildbienenschutz)

Gefährdung und Ursachen

Doch das Summen auf der Wiese wird rasant leiser. Etwa die Hälfte der in Deutschland lebenden Arten ist gefährdet, einige stehen bereits auf der Roten Liste und sind vom Aussterben bedroht. Warum ist das so? Zu den Ursachen zählen die intensiv betriebene Landwirtschaft und der Einsatz verschiedener Pestizide. Viele Wildkräuter stellen jedoch u.a. für Wildbienen eine lebenswichtige Nahrungsgrundlage dar. Einige Wildbienenarten sind auf bestimmte Pflanzen angewiesen und können durch deren Fehlen nicht überleben. Auch pflegeleichte Gärten werden immer mehr zum Trend, wodurch sich der kleiner werdende Lebensraum für wildlebende Tiere weiter verringert. Auch gefüllte Blüten sind sehr beliebt, doch durch die zurückgebildeten Staubblätter bieten gefüllte Blüten keine Nahrung für Bienen und  andere bestäubende Insekten.

Folgen

Ein Großteil der Nutz- und Wildpflanzen ist auf die Bestäubung durch Insekten wie Käfer, Fliegen, Schmetterlinge und Bienen angewiesen. Das Schwinden dieser unentbehrlichen Bestäuber hat leider ernste Konsequenzen für Natur und Mensch. 

Aussehen

Wildbienen sind in ihrer Erscheinung sehr variantenreich. Sie entwickeln Körperlängen von ca. 2 bis 30 mm. Die Behaarung reicht von fast nackt bis pelzig in verschiedensten Farben und Mustern. Durch die Vielfalt der Bienengattungen ist die Bestimmung einer Art oft nicht so einfach. So können sehr kleine Wildbienen fast mit Ameisen verwechselt werden, während andere Arten Wespen oder Schwebefliegen ähneln. Bestimmungshilfen erleichtern die Unterscheidung.

Lebensweise

Solitär: Die meisten Wildbienenarten leben solitär als Einzelgänger. Nachdem sie in den Brutkammern voll entwickelt überwintert haben, schlüpfen diese Bienen im Frühjahr. Da ihre Lebensdauer nur ein paar Wochen beträgt, widmen sich die Weibchen direkt nach dem Schlupf Paarung und Nestbau. Anschließend sammeln sie Nektar und Pollen. Eingelagert in die Brutkammer dient dies als Nahrungsgrundlage (genannt Bienenbrot oder Pollenbrot) für den Nachwuchs. Hat die Biene ausreichend Vorrat bereitgestellt, legt sie ihr Ei am Pollen ab und verschließt jede Brutzelle mit einem Lehmgemisch. Nach etwa 4 bis 10 Tagen schlüpfen die Maden. Sie entwickeln sich zur fertigen Biene und warten in ihren Kokons auf den Frühling. 

Die rote Mauerbiene beispielsweise legt ihre Brutzellen hintereinander in der Brutröhre an (Linienbau). Sie kann während der Eiablage das Geschlecht der Nachkommen bestimmen. Aus befruchteten Eiern schlüpfen Weibchen. Diese werden in der Brutröhre zuerst abgelegt. Die zuletzt in der Brutröhre gelegten Eier werden nicht befruchtet und entwickeln sich zu Männchen, die dann folglich im Frühjahr als erste schlüpfen. Wenige Tage später folgen die Weibchen.

Staatenbildend: Zu den wenigen staatenbildenden Wildbienenarten gehören Hummeln und einzelne Arten der Furchenbienen. Das Nest wird z.B. bei Hummeln gemeinschaftlich genutzt und die Nachkommen zunächst von der Königin und später von aufgezogenen Arbeiterinnen gefüttert. Es überleben von einem Hummelvolk nur begattete Königinnen, die im Boden überwintern. Furchenbienen graben selbst Nester im Boden, in denen ihre Brutzellen nah beieinander liegen.

Nutzung fremder Nester: Kuckucksbienen erhielten ihren Namen, da sie wie der gleichnamige Vogel ihre Eier in fremde Brutstätten schmuggeln. Dabei warten sie den günstigsten Zeitpunkt ab: In eine mit Pollenbrot befüllte fremde Brutzelle wird das Ei gelegt, während die Erbauerin gerade unterwegs ist. Bereits vorhandene Eier oder Larven können auf diese Weise für die Nachkommen der Kuckucksbiene ebenso zu Nahrungsvorräten werden.

Nestbau

Wildbienen nisten auf verschiedene Art und Weise. Rund die Hälfte aller mitteleuropäischen Wildbienenarten baut ihre Nester im Boden (z.B. in Sand oder Lehm). Andere Arten errichten die Brutzellen in bestehenden Hohlräumen wie leeren Schneckenhäusern, Pflanzenstängeln, Stämmen oder Steinen. Manche Wildbienenarten, wie die große Holzbiene,  nagen sich auch geeignete Hohlräume in Totholz oder weiches Pflanzenmark. Die wenigsten bauen Freinester aus Harz oder mineralischem Material. 

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Foto: Brutröhre zur Beobachtung aus Glas, 6 Brutkammern mit Maden und Bienenbrot

Lebenserwartung

Fertig entwickelte solitäre Wildbienenweibchen werden in etwa 5 bis 11 Wochen alt, die Männchen 3 bis 7 Wochen. Die Flugzeit beginnt etwa Anfang März abhängig von Temperatur und Witterung und dauert bei einigen Arten bis in den September hinein.

Ruhephasen

Bei schlechtem Wetter, an sehr warmen Sommertagen mittags und auch nachts ruhen Wildbienen. Manche graben sich dazu ein, andere suchen ihr Nest auf oder beißen sich an Blüten und Halmen fest, um bewegungslos so zu verharren.

Praktische Hilfe für Wildbienen

Ein naturbelassener Garten kann Lebensgrundlage für viele Wildbienenarten sein. Um dem Aussterben von Insekten und Wildbienen etwas entgegenzusetzen, bieten sich vielfältige Möglichkeiten an. Auf dem Balkon oder im Garten gepflanzte geeignete Wildblumen bieten eine wichtige „Tankstelle“ für die Tiere. Speziell für diesen Zweck zusammengestellte Saatmischungen für Bienen sind hier empfehlenswert. Bei der Auswahl von geeigneten Blühpflanzen ist es optimal, wenn diese das gesamte Sommerhalbjahr über blühen. Viele gezüchtete „gefüllte“ Blüten enthalten keine Nahrung oder sind nicht zugänglich zum Sammeln. 

Wenn verblühte Pflanzenstängel stehengelassen werden, können darin Insekten überwintern. Altholz, Felssteine oder sandige, in der Sonne liegende Stellen auf dem Boden bieten großes Potential für Nistmöglichkeiten. Praxiserprobte artgerechte Nisthilfen bieten einigen Wildbienenarten ein wertvolles Nistangebot. Mehr zum Bau und zu geeigneten Füllmaterialien von Insektenhotels finden Sie auf unserer Infoseite.

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Foto: Verschiedene Nisthilfen aus Holz, Ton, Schilf und Pappröhrchen

Als wichtige Wasserquelle für freilebende Tiere kann ein kleiner Teich oder eine flache Schale mit Frischwasser dienen. Wege aus Kies oder Platten mit Fugen statt Asphalt machen den Garten ebenfalls bienenfreundlicher. 

Bestäubung fördern

Wer sich eine reiche Ernte wünscht, kann mithilfe der fleißigen Mauerbienen viel erreichen. Diese effektiven Bestäuber können unkompliziert vor der Haustür oder auf Streuobstwiesen angesiedelt werden. Nähere Informationen dazu erhalten Sie auf unserer Infoseite rund um Mauerbienen.

Hummeln leisten ebenfalls einen wertvollen Beitrag zur Bestäubung. Sie sind beispielsweise bei Obstbauern gern gesehene Bestäuber. Durch Anspannung ihrer Brustmuskeln und entkoppeltes Flügelschlagen können Hummeln die Blüten vibrieren lassen (Vibrationssammler), was bei manchen Pflanzen für eine erfolgreiche Bestäubung notwendig ist. Geeignete Hummelnistkästen in Kombination mit einem bienenfreundlichen Umfeld locken die plüschigen Brummer an.

Zum Weiterlesen

Diese Seite ist natürlich nur eine kleine Reise in die facettenreiche Welt der Wildbienen. Ob kindgerecht bebildert oder für tiefere Einblicke rund um das Leben der Gartentiere haben wir eine breite Auswahl an Büchern und Bestimmungshilfen für Sie bereitgestellt.