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Insektenhotels

Insektenhotels

 

Ansiedlung und Förderung von Nützlingen wie Wildbienen

 

In den letzten Jahren sind der Bau und das Aufstellen von Insekten-Nisthilfen so richtig in Mode gekommen. Leider fertigen allerdings viele Leute und Institutionen Nisthilfen an, ohne scheinbar auch nur das geringste Wissen über die Biologie der jeweiligen Insekten zu haben. Einige Hersteller kopieren gegenseitig Modelle, die leider oft ohne Nutzen für die Insekten sind.

Unzählige Anfragen von Personen, die nach dem Kauf von Insektenhotels beklagen, dass diese nicht besiedelt wurden, veranlassen uns, Ihnen hierzu wichtige Informationen bereitzustellen. Das Projekt Wildbienenschutz hat sich kritisch mit den Insektenhotels auseinander gesetzt, wie sie in vielfältiger Bauweise in Garten-, Öko- und Baumärkten, auf Handelsplattformen im Internet, in Gartenkatalogen und selbst von Naturschutzinstitutionen angeboten werden.

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Nicht zu empfehlende Nistangebote

Am Beispiel des folgenden „Insektenhotels“ möchten wir Ihnen aufzeigen, warum der versprochene Nutzen für die Insekten ausbleibt. 

 

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1. Marienkäfer finden in der Landschaft und im Garten genügend Unterschlupf- und Überwinterungsmöglichkeiten. Hier werden sie nicht überwintern.

 

2. Mauerbienen: Die Bohrungen in den Hölzern sind für die obstbestäubenden Mauerbienen viel zu eng. Diese räumen auch nicht das Mark der gefüllten Stengel aus. Die versprochene Besiedlung durch die genannten Mauerbienen kann hier nicht stattfinden. Zudem wurden die Löcher ins Stirnholz (längs zur Faser) gebohrt, was zu Rissen, dem Eindringen von Feuchtigkeit und zum Verpilzen der Brut führen kann.

 

3. Grabwespen: Nur wenige Grabwespenarten beißen oder graben selbst Gänge ins Mark, die meisten Arten benutzen ausgehöhlte Stängel und Bohrlöcher.

 

4. Schmetterlinge überwintern hier nicht und entwickeln sich darin auch nicht fort.

 

5. Wildbienen: Die eingebauten Stängel sind nicht hohl. Selbst die Weibchen der meisten Maskenbienenarten legen ihre Nester in bereits existierende Hohlräume, wie Käferfraßgänge oder leere Nisthalme. Wenige Arten nisten in markhaltigen Stängeln wie beispielsweise in Stängeln der Brombeere. Für Arten, welche markhaltige Stängel bevorzugen, müssten diese vertikal und nicht horizontal angeboten werden. 

 

6. Florfliegen und Marienkäfer: Zapfenansammlungen können als Unterschlupf dienen, nicht aber zur Überwinterung.

 

Insektenhotels mit Kiefernzapfen, Rindenstücken, Holzsplittern, Steinplatten, nicht oder falsch gebohrten Ästen, halten die vielfältigen Versprechungen nicht. Sie entsprechen meist überhaupt nicht den biologischen Anforderungen. Dies trifft auch auf Insektenhäuser zu, die gepresstes Heu oder Stroh enthalten, bzw. leere Lochziegel.

Einflüge für Schmetterlinge oder Hummeln sind ohne Nutzen für diese Insekten. Die Anbieter solcher "Nisthilfen" lassen den Käufer im Glauben, dass Marienkäfer, Schmetterlinge und Florfliegen sich dort vermehren und den Winter verbringen würden. Dies trifft jedoch höchstens für Wildbienen und Solitärwespen zu, sofern geeignete Bohrlöcher oder Nisthalme vorhanden sind. Bauformen gefüllt mit Zapfen, Stroh oder Rindenstücken sind allenfalls ein nächtlicher Unterschlupf, doch dazu brauchen die Insekten kein Insektenhotel. Unterschlupf finden sie in der Natur zu Genüge.

Unterschlupfhilfen für Ohrwürmer, sofern man sie anbieten möchte, gehören im Garten dorthin, wo der Blattlausbefall bekämpft werden soll. Als Allesfresser beschaffen sie sich sonst auch Nahrung nebenan in den Brutröhren der Wildbienen oder Solitärwespen, was nicht im Sinne des Erfinders sein kann.

Viele Insektenhotels enthalten zuweilen auch einen Hohlraum mit einem Einflugloch, der für Hummeln gedacht ist. Nistangebote für Hummeln, die ja in Nestnähe durchaus stechbereit sind, mit den nicht stechenden Wildbienen zu kombinieren, sollte vermieden werden. Es fällt sonst die Möglichkeit weg, die Wildbienen - sofern sie sich in der Nähe eines Hummelvolkes überhaupt ansiedeln - gefahrlos zu beobachten. Sehr fraglich ist zudem die Annahme dieser Nistangebote durch Hummeln. Wenn überhaupt, ist die Besiedlung durch Baumhummeln am wahrscheinlichsten. Eine Hummelart, die weniger friedlich ist als andere Hummelarten, so dass im näheren Umfeld Stiche zu erwarten sind. 

Wildbienenquartiere, die an einer Schnur aufzuhängen sind, sind ungeeignet. Wie soll denn eine Biene in solchen sich drehenden Quartieren ihre Brutröhre wiederfinden? Von Wand zu Wand quer eingelegte Schilfhalme sind ebenfalls ungeeignet, da die Bienen nicht in die Brutröhren einschlüpfen können.

 

lochziegel platzhalter_25px Häufig werden auch leere Lochziegel in Wildbienennisthilfen oder Insektenhäusern eingebracht. Solche leeren Lochziegel füllen zwar rasch das Insektenhaus oder die Nisthilfe aus, sind aber für Wildbienen und solitäre Wespen nutzlos. Der Lochdurchmesser ist viel zu groß. Die Biene kann es sich nicht leisten, hier Brutzellen anzulegen. Dies würde viel Material und Zeit bedeuten und damit die Anzahl der Nachkommen verringern.
     
lehm   Lehmwände für Steilwandbewohner aus fettem Ton oder hartem Lehm sind ebenfalls ungeeignet, da dieses Material zu hart ist. Hier können die Bienen keine Löcher bohren. Geeignet wäre nur ein lockerer Lösslehm.
     
gasbeton_ytong   Ytong und andere Gasbetonsteine sind ungeeignet, da sie Feuchtigkeit aufnehmen, die Brut dadurch verpilzt. Leider empfehlen auch aktuelle Bauanleitungen für Insektenhotels dieses Material weiterhin.

 

Entscheidend für die Besiedlung einer Nisthilfe ist nicht deren Aussehen, sondern die Beschaffenheit der eingebauten Materialien. Diese sollten die natürlichen Nistgelegenheiten der Insekten nachahmen. Neben geeigneten Nisthilfen sollte im Garten auch auf die Nahrungsansprüche der Wildbienen geachtet und der Garten oder Ziergarten wildbienenfreundlich gestaltet werden. Vielfältige Pflanzen fördern die Wildbienen erfolgreich.

Geeignete Nistangebote

Anhand dieser Nistanlagen möchten wir Ihnen geeignete Nistangebote für Hohlraumbewohner vorstellen. Natürlich müssen es keine großen Insektenhäuser sein – kleine Nisthilfen sind für diese Insekten genauso von Nutzen. Alle hier gezeigten Beispiele können auch jeweils für sich allein den Wildbienen und solitären Wespen als Brutstätte angeboten werden.

 

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schilf_insektenhotel_fuellu platzhalter_25px 1. Schilfhalme sind geeignet für Nisthilfen. Allerdings eignen sich Gartenscheren nicht zum Ablängen, da die Halme gequetscht werden. Beim Ablängen mit einer Säge muss darauf geachtet werden, dass die Halme an den Enden nicht zersplittern und zu sehr ausfransen. 
     
fuellmaterialien_insektenhotels   2. Bambusröhren vom Bau- oder Gartenmarkt mit einem Innendurchmesser von 3-9 mm werden hinter den Knoten abgesägt (sind somit hinten verschlossen). Mit einem Bohrer, ggf. auch einem starken Draht, wird das Mark ausgeräumt. Die Innenwandung sollte möglichst glatt sein. Länge der Röhren je nach der Stärke des Bambusrohres von 10-20 cm. Bambusröhren bündeln oder in einer Dose, einem Holzkästchen in den Hohlräumen von Lochziegeln oder Kalksandsteinen unterbringen.
     
hotel_bruthuelsen   3. Pappröhren als Niströhren für Mauerbienen sind im Handel zu bekommen. für Mauerbienen eignet sich eine Länge von etwa 14 cm und ein Innendurchmesser von 8 mm. Diese Pappröhren sind geeignete Niströhren für die obstbestäubenden Mauerbienen, die Gehörnte Mauerbiene und Rostrote Mauerbiene.
mauerbienen_mdf   4. Bienenbrettchen haben sich neben den Pappröhren seit Jahrzehnten für die Ansiedlung und Vermehrung der effizienten Obstbestäuber (Gehörnte Mauerbiene und Rostrote Mauerbiene) bewährt. Da sich Nisthilfen aus Bienenbrettchen öffnen lassen, können die Brettchen im Winterhalbjahr auf Parasiten kontrolliert und diese somit entfernt werden. Sie eignen sich somit sehr gut, um eine eigene Mauerbienen-Population zur Obstbestäubung anzusiedeln.
tonsteine_insekten   5. Bienensteine sind gern angenommene und langlebige Nisthilfen aus gebranntem Ton, in Handarbeit getöpfert, luftgetrocknet und dann in einem modernen Brennofen gebrannt mit Energie aus einem eigenen Sonnenkraftwerk.
     
nisthoelzer_hotel   6. Harthölzer (z.B. Buche, Esche, Eiche) können mit Bohrlöchern versehen werden. Verwendet werden Bohrer von 3, 4, 6, 8 und 10 mm Durchmesser. Nach dem Bohren muss die Oberfläche blank geschliffen werden, damit nicht querstehende Fasern die Bienen am Einschlüpfen hindern. Man sollte nur ins Längsholz (parallel zur ehemaligen Rinde) bohren, nicht ins Stirnholz. 
     
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7. Strangfalzziegel bieten mit ihren Hohlräumen Wildbienen Nistmöglichkeiten. Mit einer Flex und entsprechender Trennscheibe lassen sich die langen Ziegel auch halbieren. Durch den Brennvorgang verengte Öffnungen sollten mit einem Steinbohrer erweitert werden. 

8. Die Hohlräume von Kalksandsteinen können mit Schilfhalmen und Bambusröhren gefüllt werden. 

9. Lochziegel sind nur dann sinnvoll, wenn sie mit Schilfhalmen, Hartpapierröhrchen oder Bambusröhren gefüllt werden. 

 

 

Hinweis zum Schutz vor Plünderung durch Vögel

Da Vögel ihre Jungen fast ausschließlich mit Insekten füttern, sollten Insektenhotels in der Nähe von Vogelnestern oder mit regem Vogelbesuch in der näheren Umgebung mit Hilfe eines Schutzgitters versehen werden. Die Maschenweite sollte ca. 20 mm betragen. Deutlich engere Maschenweiten können die Besiedlung der Nisthilfe für größere Insekten erschweren. Deutlich größere Maschenweiten erlauben es kleineren Vögeln bereits, ihren Kopf hindurchzustecken und sind somit wirkungslos. Für einen optimalen Schutz sollte das Gitter mindestens 3 cm, besser noch 5 cm Abstand zu den Niströhren haben.

Sinnvolle Nisthilfen beziehen

In unserem Shop finden Sie viele verschiedene Nisthilfen, die bereits fertig zum Aufstellen oder Aufhängen sind. Ebenso bieten wir Bausätze und viele Füllmaterialien an, mit denen Sie für Ihren Rohling oder Ihr selbst gebautes Insektenhotel das entsprechende Innenleben gestalten können. Werden Sie kreativ und helfen Sie den Nützlingen in Ihrem Garten oder auf Ihrem Balkon durch die Anbringung sinnvoller Nisthilfen. Detaillierte Informationen zur Anbringung Ihrer neuen Nisthilfe finden Sie auf unserer Infoseite zur Handhabung von Nistkästen und Nisthilfen.

 


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