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Mauerbienen

Bestäubung durch Mauerbienen

 

Fleißige Helfer im Obst- und Gartenbau

 

Arten

Mauerbienen gehören zu den Wildbienen, von denen in Mitteleuropa schätzungsweise 500 bis 570 Arten vorkommen. Etwa 50 verschiedene Arten der Mauerbiene sind in Mitteleuropa ansässig, ihr Aussehen und Ihre Lebensweise unterscheiden sich von Art zu Art erheblich. Der folgende Text befasst sich hauptsächlich mit den in Deutschland am häufigsten vorkommenden Arten, der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) und der Rostroten Mauerbiene (Osmia bicornis).  

Rostrote Mauerbiene gehoernte_mauerbiene_002
Rostrote Mauerbiene Gehörnte Mauerbiene

(Fotos © Meinrad Lohmüller, Projekt Wildbienenschutz)

 

Lebensweise

Mauerbienen sind Einzelgänger, sie bauen ihre Nester allein und versorgen ihre Brutzellen ohne die Hilfe von Artgenossen. Sie werden deshalb auch als Einsiedler- oder Solitärbienen bezeichnet. Es werden keine Staaten oder Völker gebildet und es gibt auch keine Königin wie es zum Beispiel bei Honigbienen oder Hummeln der Fall ist. 

Jedes Mauerbienen-Weibchen legt Eier, aus denen nach wenigen Tagen eine augen- und beinlose Larve schlüpft. Diese ernährt sich vom Pollenvorrat und entwickelt sich nach einigen Häutungen zu einer Puppe. Bei den meisten Arten spinnt sie sich dafür in einen Kokon ein, wo sie sich anschließend in das fertig entwickelte Insekt verwandelt. 

Beim so genannten Linienbau wird jeweils ein Ei in eine Brutkammer gelegt, die mit Pollenvorrat versehen und anschließend mit einer Trennwand (zum Beispiel aus Erde) verschlossen wird. Bei der Gehörnten und der Roten Mauerbiene können in einer Niströhre von ca. 14 cm Länge bis zu 10 Brutzellen hintereinander angelegt werden, bevor am Ende ein Verschlussdeckel aus stabilerem Material vom Weibchen angebracht wird.

 

Linienbau Mauerbiene Eier

Eier mit Pollenvorrat

Linienbau Mauerbiene Larve

Bienenlarve

Linienbau Mauerbiene Kokons

Fertig entwickelte Kokons – bereit zur Überwinterung

(Fotos © Volker Fockenberg, www.wildbiene.com)

 

Nach der Überwinterung schlüpfen im Frühling zuerst die Männchen, dann die Weibchen. Die Männchen lauern schon auf den Schlupf der Weibchen und begatten diese direkt nach dem Ausschlüpfen.

Männchen Mauerbienen Paarung Mauerbienen
Männchen warten auf die Weibchen Paarung der Gehörnten Mauerbiene

(Fotos © Meinrad Lohmüller, Projekt Wildbienenschutz)

 

Die begatteten Mauerbienen-Weibchen suchen sich geeignete Nistmöglichkeiten mit guten Nahrungsquellen in der Nähe, wo sie in den nächsten Wochen ihre Eier ablegen und der Zyklus beginnt von Neuem. 

Zyklus Mauerbienen

Zyklus der Mauerbienen-Entwicklung

 

Mauerbienen nisten je nach Art in vorhandenen Hohlräumen, in sandigen Böden (diese Arten werden auch „Steilwandbewohner“ genannt), in markhaltigen Pflanzenstängeln, Totholz oder sogar in leeren Schneckenhäusern. Die größte Gruppe bilden die Hohlraumbewohner, zu denen auch die Gehörnte und die Rote Mauerbiene zählen. 

Hohlraumbewohnende Mauerbienen nutzen zur Eiablage zum Beispiel Fraßgänge von Käfern, nehmen aber auch vom Menschen bereitgestellte Nisthilfen bereitwillig an. 

Bestäubung

Der Flugradius der Gehörnten und der Roten Mauerbiene beträgt nur wenige Hundert Meter, somit sollten in der unmittelbaren Umgebung des Nistplatzes viele Blühpflanzen vorhanden sein. Bevorzugt werden die Blüten von Stein- und Kernobst angeflogen, weshalb Mauerbienen ausgezeichnete Bestäuber für den Obstanbau sind. 

Die Hauptflugzeit der Gehörnten Mauerbiene findet ab Mitte März bis Ende April statt, sie ist daher besonders geeignet zur Bestäubung von Steinobst (z.B. Mirabellen, Kirschen). Die Rostrote Mauerbiene fliegt etwas später, sie startet ab Mitte bis Ende April und fliegt bis Ende Mai. Sie ist somit ein idealer Bestäuber für späteres Steinobst (z.B. Zwetschgen) und Kernobst (z.B. Äpfel und Birnen).

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Mauerbienen viel effizienter beim Bestäuben vieler Obstsorten sind als Honigbienen

 

Bestäubung Mauerbiene vs. Honigbiene  

 

Worauf ist diese höhere Bestäubungsleistung zurückzuführen?

  • Gehörnte Mauerbienen fliegen bei sonnigem Wetter bereits ab 4°C, Rote Mauerbienen ab 10°C und selbst bei Nieselregen sind sie emsig. Honigbienen werden dagegen erst ab 12°C flugfähig.
  • Gehörnte und Rote Mauerbienen gehören zu den Bauchsammlerbienen. Bei den Mauerbienen-Weibchen ist die Unterseite des Hinterleibs dicht behaart. In dieser „Bauchbürste“ sammeln sie den Pollen trocken. Bei der nächsten Blüte wird dieser besser auf die Narbe übertragen als der mit Nektar angefeuchtete Pollen im Pollenhöschen der Honigbiene. 
  • Da viele Obstsorten wie zum Beispiel Apfel-, Birnen- und Süßkirschenbäume selbststeril sind (vereinfacht gesagt führt der eigene Pollen nicht zur Befruchtung der Blüten, stattdessen wird ein anderes Exemplar der gleichen Art als „Pollenspender“ benötigt), ist es von Vorteil, dass Mauerbienen schnell und oft zwischen den Bäumen wechseln und nicht systematisch einen Baum „absammeln“, wie es Honigbienen tun.

Für die Bestäubung eines Hektars Obstbäume genügen etwa 600 weibliche Mauerbienen (Quelle: Schweizerische Bienen-Zeitung, 123 (2000), Heft 10, S. 593-595). 

Mauerbienen weichen der Honigbiene übrigens auf der Blüte aus, die Honigbienen werden somit nicht verdrängt. Mauerbienen stellen deshalb keine Konkurrenz zur Honigbiene dar.

Tipps

Infos zur Handhabung der bei uns erhältlichen Mauerbienen-Kokons finden Sie hier. Infos zur Handhabung und zur Aufstellung/Aufhängung der Nisthilfen finden Sie hier.

Nisthilfen speziell zur Ansiedlung einer Mauerbienen-Population und Kokons als Startgeneration haben wir hier zusammengestellt.

In unserer Broschüre „Die Obstbestäubung nachhaltig sichern“ finden Sie weitere Informationen über Mauerbienen und geeignete Nisthilfen, sowie viele weitere Bilder zum Thema. Zum kostenlosen Download erhältlich oder als kostenpflichtige Druckversion hier bestellbar.

 

Flyer_Mauerbienen_Obstbestaeubung_Small

pdf_datei Broschüre als PDF-Datei hier verfügbar.