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Igel

Igel

 

Stachelige Gesellen im Garten


Verbreitung und Arten

Die Igelfamilie umfasst 24 Arten und kommt in Europa, Afrika und Teilen von Asien vor. Vom Aussehen her unterscheidet man bei diesen Säugetieren zwischen dem Stacheligel und dem Rattenigel (oder Haarigel, stachellos und in Asien beheimatet). Bekannteste europäische Vertreter auch in Deutschland sind Braunbrustigel. Einheimische seltener vertretene nördliche Weißbrustigel sind in ostdeutschen Randgebieten zu finden.

Gefährdung und Lebensraum einheimischer Igel

Auch der Igel bekommt die Folgen intensiv betriebener Landwirtschaft zu spüren. Durch den Einsatz von Pestiziden ist der Bestand an Insekten stark zurückgegangen und mit ihm eine wichtige Nahrungsquelle für viele insektenfressende Wildtiere. Besonders Schneckenkorn und Rattengift ist gefährlich für die Stacheligel sowie für viele weitere nützliche Gartenbewohner. Ursprünglich lebten Igel in strukturreichen Landschaften mit vielen Versteckmöglichkeiten. Da sich die Landschaften durch menschliche Eingriffe allerdings stark veränderten, suchten sich die Tiere als Kulturfolger in Gärten oder Parkanlagen städtischer Gebiete ihren Lebensraum. Dort sind sie vielerlei weiteren Gefahren ausgesetzt. Straßen machen ihnen dabei besonders zu schaffen. Entweder hindern sie Igel, in ein anderes Gebiet zu gelangen, wodurch isolierte, auf Dauer unbeständige Igelpopulationen entstehen. Oder die Stacheltiere werden bei der Überquerung von Fahrzeugen tödlich verletzt. Schätzungen gehen von jährlich mindestens 250.000 Igeltoten auf deutschen Straßen aus. Den Igeln drohen noch andere Gefahren: Verfangen in Pflanzenschutznetzen, Stürze in Gruben, Verletzungen oder Tod durch Gartengeräte oder Stromschläge elektrischer Weidezäune. So erscheinen auch die munteren "Stacheltiere" in einigen Gegenden mittlerweile auf der sogenannten Vorwarnliste der Roten Liste für bedrohte Tierarten. Zu den natürlichen Feinden zählen Marder, Uhu, Fuchs oder Dachs.

Aussehen und Sinne

Unsere ausgewachsenen einheimischen stachligen Gesellen erreichen eine Körperlänge von 22 bis 30 cm. Ihr Körpergewicht verändert sich sehr stark abhängig von Alter, Jahreszeit und Nahrungsangebot. So kann ein ausgewachsenes Tier mit angelegten Fettreserven 1,5 kg wiegen, sein Gewicht nach dem Winterschlaf jedoch bis auf 350 g reduzieren. Einjährige Braunbrustigel wiegen in der Regel 450 bis 700 g. Ausgewachsene Exemplare besitzen zwischen 6.000 bis 8.000 Stacheln und wiegen durchschnittlich 1 kg. Die Stacheln haben einen Farbverlauf beginnend mit braun über weiß bis hin zur fast schwarzen Spitze, während die Bauchseite stachellos und braun gefärbt ist. Bei Igeln ist der Sehsinn nicht sehr ausgeprägt, das Gehör und der Geruchssinn hingegen sind umso feiner. Ein spezielles zusätzliches Geruchsorgan befindet sich im Gaumendach. Das sogenannte "Jacobsonsche Organ" ist durch einen schlauchartigen Gang hinter den Schneidezähnen mit der Mundhöhle verbunden. Interessiert sich der Igel näher für einen Gegenstand, bildet sich durch das Riechen und Kauen daran schaumiger Speichel. Dieser Vorgang ist kein Anzeichen von Tollwut, denn der Schaum gelangt durch den schlauchartigen Gang in das Jacobsonsche Organ. Bemerkenswert ist auch ihr guter Orientierungssinn, Igel erstellen mit der Zeit eine Art innere Landkarte, indem sie sich prägnante Merkmale wie Hindernisse, Verstecke, Ruhestellen und lohnende Futterplätze merken.

Nahrung

Igel ernähren sich hauptsächlich von Insekten, deren Larven, Würmern, Schnecken und anderen kleinen Weichtieren bis hin zu Vogeleiern (aus Bodennestern), Fröschen oder Mäusen. Pflanzliche Bestandteile wie Wurzeln werden nur zu einem sehr kleinen Anteil gefressen. Das Verdauungssystem der stacheligen Tiere ist vor allem darauf ausgelegt, Eiweiße und Fette zu verarbeiten. Zu den Nahrungsgewohnheiten von Igeln sind einige Irrtümer weit verbreitet. Viele glauben, dass Obst auf dem Speiseplan steht. Wenn Igel mal an einem Apfel knabbern, ist der Hauptgrund meist eine darin befindliche Larve. Auch Nüsse oder Rosinen gehören nicht zu ihrer natürlichen Nahrung. Milch wird von Igeln gar nicht vertragen, da sie laktoseintolerant sind, und kann sogar zum Tod führen! Zudem lagern sie Nahrung nicht absichtlich auf ihren Stacheln, sondern stören sich scheinbar einfach nicht sonderlich an unfreiwillig aufgespießten Mitbringseln wie Blättern oder Früchten.

Lebensweise und Winterschlaf

Igel sind Einzelgänger und werden vor allem nachts aktiv. Man kann sie meist schon in der Dämmerung im Garten beobachten. Tagsüber schlafen sie meist und bauen sich dazu Ruhestätten in dichter Vegetation. Bei Gefahr rollen sie sich zu einer Kugel zusammen und schützen sich mit den aufgestellten Stacheln.

Die Lebenserwartung in der freien Natur schätzt man auf 3 bis 7 Jahre. Igel können verschiedene Geräusche von sich geben wie Schmatzen durch Nahrungsaufnahme, Grunzen, Fauchen, Keckern oder sogar kreischen zur Verständigung mit Artgenossen.

Hat sich ein Igel ausreichend Fettreserven angefuttert, wird es Zeit für den Winterschlaf. Dieser ist temperaturabhängig: Fallen die Temperaturen dauerhaft zwischen 12°C bis kurz über 0°C, hört das Tier auf zu fressen, entleert sein Verdauungssystem und rollt sich nach ein paar Tagen in seinem Nest zum Dämmerschlaf zusammen. Währenddessen reagieren die Igel kaum auf äußere Reize, Stoffwechsel und Körpertemperatur sinken enorm. Im Zeitraum von Oktober bis März schläft der Igel dann in seiner Behausung wie Erdmulden, Totholz- und Laubhaufen oder unter Hecken. Aufgestellte Quartiere in igelfreundlichen Gärten werden ebenfalls genutzt. Ein Jungigel muss Anfang November mindestens 500 g wiegen, um den Winterschlaf in der Natur zu überleben. Zu leichte Jungtiere sollten unbedingt in Igelstationen gebracht werden, da sie sonst aus eigener Kraft ihren ersten Winter nicht überstehen können.

Fortpflanzung

Von Mai bis August dauert die Paarungszeit. Das Männchen läuft bei der Paarungszeremonie immer wieder um eine Igelin herum, weshalb man dieses Verhalten „Igelkarussell“ nennt. Für den Bewerber ist dies eine stachelige Angelegenheit, denn bevor er nach Stunden des Umkreisens zum Zuge kommen darf, wird er einige Male mit aufgestellten Stacheln abgewehrt. Erst wenn die Igelin ihre Stacheln flach anlegt, steht der Familienplanung nichts mehr im Wege. Igelmütter sind allerdings alleinerziehend. Zwischen Juni und August bringt ein europäischer Igel nach 48 bis 50 Tagen einen Wurf von durchschnittlich 4 bis 5 Jungen zur Welt. In wärmeren Gegenden sind bei anderen Arten auch zwei Würfe im Jahr mit deutlich mehr Jungtieren möglich. Igelkinder werden blind geboren und öffnen ihre Knopfaugen nach 12 bis 24 Tagen. Ihr Stachelkleid ist anfangs noch weich, sie werden etwa 6 Wochen von der Mutter gesäugt. Die Igelmilch des Muttertieres ist besonders laktosearm und unterscheidet sich generell von der Zusammensetzung her stark von der Milch anderer Säugetiere. Nach ungefähr dreieinhalb Wochen beginnen Igeljunge die Umgebung außerhalb des Nestes selbstständig zu erkunden. Dabei lernen sie allmählich durch eigene Erfahrungen, was erwachsene Igel fressen. Komplett eigenständig sind Igelkinder bereits, wenn sie mit ungefähr 6 Wochen von der Mutter entwöhnt werden. Geschlechtsreif sind sie zwischen 6 und 12 Monaten.

Igel unterstützen

Unseren stacheligen Gartenbesuchern zu helfen ist ohne viel Aufwand möglich. Als Nützlinge fressen sie z.B. Schnecken und sind somit von Gärtnern gern gesehene Gäste.

  • Gefahren vermeiden: Verzicht auf Gifte gegen Schädlinge und Unkraut oder das Verwenden von Kunstdünger. Grobmaschige Drahtzäune oder Pflanzenschutznetze können zur Igelfalle werden. Vor dem Rasenmähen oder Heckenschneiden sollte man sicherstellen, dass sich keine Tiere wie z.B. Igel darin befinden. Im Herbst ist ein igelfreundlicher Garten nicht zu akribisch aufgeräumt und bietet Versteckmöglichkeiten.   
  • Zäune: Hecken- oder Lattenzäune sind empfehlenswert, Schlupflöcher in Mauern oder Drahtzäunen ermöglichen Igelbesuch.
  • Vegetation: Einen Teil der Wiese zu mähen, hilft den Tieren bei der Futtersuche nach Erdbewohnern wie z.B. Regenwürmern. Im ungemähten Wiesenabschnitt tummeln sich viele Insekten und bieten eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele freilebende Wildtiere. Bei der Auswahl von Pflanzen sind einheimische, insektenanziehende Wildsorten besonders empfehlenswert.
  • Unterschlupfmöglichkeiten: Totholz-, Reisig- oder Blätterhaufen, Gartenhäuschen, Steinhaufen oder Baumwurzeln mit Hohlräumen laden den Igel als Bewohner ein.

Aufgestellt an ruhigen, schattigen Standorten wie zum Beispiel unter Büschen werden Igelquartiere gerne als Schlafmöglichkeit sowohl im Sommer als auch Winter von den "Stacheltieren" bezogen. Das Igelhaus kann mit ein paar trockenen Blättern als Grundlage eingerichtet werden, wobei Igel die Gestaltung ihrer Ruhestätte im Wesentlichen selbst übernehmen.

  • Ein kleiner Gartenteich mit flach gestaltetem Ufer ist für viele freilebende Tiere an trockenen Sommertagen eine lebenswichtige Trinkquelle.
  • Igelfütterung: In der Regel finden Igel ihre Nahrung noch ausreichend. Von der Zufütterung im September bis Mitte Oktober können jedoch besonders Jungigel profitieren. Wer im Herbst Igel füttern möchte, sollte zu möglichst artgerechtem Igelfutter greifen. Mittlerweile gibt es Futter mit einem hohen tierischen Proteinanteil, was der Igelverdauung entgegenkommt. Obst, Rosinen und Nüsse gehören nicht auf den natürlichen Speiseplan des Igels.

Diese Infoseite soll einen guten Überblick zum Thema Igel bieten. In unserer Kategorie Bücher finden Sie weiteres Lesematerial über diese stacheligen Gesellen für Klein und Groß.