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Hornissen

Hornissen

 

Keine Angst vor den friedlichen Riesenbrummern

 

Beeindruckend und für manch einen sogar furchteinflößend brummen diese großen Insekten durch die Lüfte. Doch wieviel wissen wir eigentlich über Hornissen? Warum die Tiere einen wichtigen Beitrag zum Ökosystem leisten, wie man harmonisch mit ihnen leben kann und vieles mehr erfahren Sie auf dieser Infoseite.

Arten und Gefährdung

Als größte Vertreter der Wespen gehören Hornissen zur Familie der Faltenwespen (Flügel im Ruhezustand gefaltet). In Deutschland gibt es zwei einheimische Hornissenarten sowie eine über Frankreich eingewanderte asiatische Art. Durch direkte menschliche Verfolgung oder indirekte Zerstörung ihres Lebensraums stehen Hornissen in Deutschland seit Jahren auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet die Tötung oder Zerstörung von Hornissen und deren Nestern als besonders geschützter Art. Befindet sich ein Hornissennest an einer „kritischen“ Stelle, helfen die zuständigen Naturschutzbehörden weiter. 

Verbreitung und Lebensraum

In weiten Teilen Europas, Asien und Nordamerika kommt die Hornisse vor. Sie lebt in Laubmischwäldern, Parkanlagen mit Birken, Eichen oder Eschen und auf Streuobstwiesen. Da Hornissen zunehmend ihren natürlichen Lebensraum verlieren, finden sie sich vermehrt auch in der Nähe von menschlichen Siedlungen.

Lebenszyklus

In alten Bäumen oder der Erde haben begattete Jungköniginnen überwintert. Während des Winterschlafs reduzieren sich die Körperfunktionen auf ein Minimum. Auf ihren Erkundungsflügen Anfang Mai halten die Königinnen Ausschau nach einem geeigneten Hohlraum, worin ihre „Hornissenburg“ mit bis zu 60 cm Höhe entstehen wird. Es gibt Jungköniginnen, die gewaltsam ein bereits bestehendes oder auch kürzlich verlassenes Nest (mit noch lebender Brut) übernehmen. Natürliche Baumhöhlen werden seltener, weshalb sie unterschiedliche Orte wie verschiedene Nischen an Gebäuden, Rollladenkästen, Vogelnistkästen oder alte Schuppen auswählen. Das Baumaterial (sogenanntes Wespenpapier) ist eine Mischung aus zerkautem Holz und Speichel ähnlich Pappmaché. Die Beschädigung an Bäumen durch Hornissen ist vernachlässigbar im Vegleich zu denen von beispielsweise Wild. An der Decke mit einem Stil gehalten entstehen im Nest einige sechseckige Waben, in welche die ersten Eier gelegt werden. Von der Königin versorgt entwickeln sich aus den Larven 5 bis 10 Arbeiterinnen. Nach deren Schlupf Anfang Juli versorgen sie die nächste Generation, damit sich die Königin ganz der Eiablage widmen kann. Bei einheimischen Hornissen wird die Königin bis zu 35 mm lang und 1 Jahr alt; ihre Arbeiterinnen bis zu 25 mm mit einer Lebenserwartung von 2 bis 6 Wochen. Zwischen Mitte August und Mitte September erreicht das Hornissenvolk seinen Höchststand von etwa 400 bis 700 Tieren. Die letzten Generationen bestehen aus unbefruchteten Eiern, woraus die männlichen Drohnen schlüpfen, sowie aus befruchteten Eiern, aus denen Jungköniginnen entstehen. Schließlich wird die Königin nicht mehr gefüttert und verlässt den Bau um einjährig zu sterben. Bei schönem Herbstwetter schwärmen fertig entwickelte Jungköniginnen und Drohnen aus, um sich zu paaren. Die Arbeiterinnen räumen teilweise die letzten Larven aus, bis das Nest völlig verlassen ist. Danach sterben sie und die Männchen eines natürlichen Todes, während begattete Königinnen an einem geschützten Platz überwintern.

Ernährung

Ausgewachsene Hornissen ernähren sich von Fallobst, Baumsaft (bevorzugt Flieder, Esche und Weide Nektar oder Honigtau (Absonderung u.a. von Blattläusen). Ihre Larven werden hauptsächlich von einem Brei aus zerkleinerten Insekten oder Spinnen gefüttert. Im Durchschnitt kann ein Staat 500 g Insekten vertilgen, darunter viele Schädlinge. Zwar werden auch Bienen nicht verschmäht, jedoch verhältnismäßig wenig Exemplare erbeutet, was einem gesunden Bienenvolk keinen erheblichen Schaden zufügt.

"Naturpolizei" im Einsatz

Einige Gartenfreunde schätzen Hornissen als natürliche Schädlingsbekämpfer. Zu ihren Beutetieren gehören Raupen von Schädlingen wie die des Eichenprozessionsspinners. Zudem stehen für Menschen lästige Fluginsekten wie aggressive Wespenarten, Schmeißfliegen und Bremsen auf dem Speiseplan. Auch nachts jagen sie nachtaktive Insekten, denen wenige Tiere nachstellen und verhindern so deren übermäßige Verbreitung. 

In Harmonie mit den friedlichen Nützlingen

Wer ein paar Fakten über Hornissen kennt, tut sich leichter im Umgang mit ihnen. Hartnäckige Vorurteile halten sich z.B. über die Gefährlichkeit ihres Giftes. Erwiesen ist jedoch, dass Hornissenstiche nicht giftiger sind als Bienenstiche. Nur etwa 4% der Bevölkerung reagiert mit extremen allergischen Reaktionen auf Insektenstiche allgemein. Trotz ihrer Körpergröße und Lautstärke im Flug sind Hornissen sogar scheuer als Bienen und greifen niemals grundlos an. An schönen Sommertagen kann man beruhigt Süßspeisen draußen genießen, da Hornissen nicht davon angezogen werden. Falls ein Exemplar erscheint, dann um für uns lästige an Süßspeisen fressende Wespen zu erbeuten. 

Diese Verhaltensregeln ermöglichen ein friedliches Miteinander:

  • Den Umkreis von ungefähr 4 Metern um das Nest herum nach Möglichkeit nicht betreten, das Nest nicht manipulieren und die Waben nicht erschüttern. Außerhalb dieses Bereiches fliehen die Tiere lieber bevor sie angreifen.
  • Keine hektischen Bewegungen oder gar nach Hornissen schlagen, sondern ruhig bleiben und sie respektvoll behandeln.
  • Den Mund zur eigenen Sicherheit schließen und die Hornisse nicht anatmen, da sie das reizen kann.
  • Der Flugweg sollte nicht versperrt werden.
  • Hat sich eine Hornisse bei Dämmerung ins Haus verflogen, hilft es, Fenster oder Balkontür weit zu öffnen und das Licht zu löschen, damit sie von selbst herausfindet.

Faszinierende Fakten statt Vorurteile

Dass Hornissen keine Killerinsekten sind, Bienenvölker auslöschen oder Bäume ernsthaft beschädigen, zeigen entsprechende Untersuchungen. Die friedlichen großen Brummer halten für uns lästige Fluginsekten und die Schädlinge im Garten in Schach. Zeit für ein paar erstaunliche Fakten. 

  • Hitze und Kälte: Um sich im Flug an heißen Tagen zu kühlen, würgen Arbeiterinnen einen Flüssigkeitstropfen hervor, der sie durch Verdunstung kühlt. Während des Winterschlafes produziert der Körper einer Hornissenkönigin eine Art "Frostschutzmittel".
  • Sehen in der Dunkelheit: Durch ihre Körpergröße und entsprechend größere (Komplex-)Augen verfügen Hornissen über eine höhere Lichtempfindlichkeit. Im Gegensatz zu anderen Wespenarten sind sie so in der Lage, auch im Dunkeln zu jagen. 
  • Schnelle Flieger: Beim Freiflug werden im Durchschnitt 20-42 km/h erreicht. Man vermutet im Sturzflug auf Beutetiere noch höhere Geschwindigkeiten.
  • Kommunikation auf verschiedenen Ebenen: Chemische Signale (Pheromone) sind eine wichtige Art der Kommunikation. So können z.B. fremde Eindringlinge i.d.R. von den Wachposten am Eingang größerer Nester identifiziert werden. 
  • Über Vibrationen des Nestbodens lassen sich akustische Signale vermitteln. So wurde beobachtet, wie früh morgens Arbeiterinnen wie zum Weckruf mit dem Hinterleib an die Waben klopfen, woraufhin die ersten Sammlerinnen ausschwärmen. 
  • Blick ins „Kinderzimmer“: Ein durchschnittliches Hornissennest enthält insgesamt über 1500 Waben. Auch „Hornissenkinder“ möchten umsorgt und gewärmt werden. Etwa 30°C beträgt die optimale Temperatur. Frierende Puppen können über Pheromone Arbeiterinnen animieren, sie zu wärmen. Dazu krabbeln die Arbeiterinnen kopfüber in die Wabe und erzeugen mit leichten, zitternden Bewegungen Wärme. Hungrige Larven bewirken mit ihren Mundwerkzeugen (Mandibeln) an den Waben ein weit hörbares Kratzgeräusch, um gefüttert zu werden (sogenanntes Hungerkratzen). Die Larven wiederum sondern kleine Mengen an Speichel ab, welche von den Arbeiterinnen aufgenommen und der Königin als nahrhafte Quelle zur Eiablage überbracht werden.

Hornissenschutz

Damit die selten gewordenen großen Brummer noch lange fortbestehen können, sind sie auf unsere Hilfe und unser Verständnis angewiesen. Neben Beachtung der einfachen Verhaltensregeln im direkten Kontakt kann man selbst aktiv werden. 

  • Ein naturbelassener Garten mit alten Obstbäumen und insektenanziehenden Pflanzen ist für unzählige Lebewesen ein wertvoller Lebensraum.
  • Wer einen größeren Garten hat, kann Hornissen Nistmöglichkeiten bieten, wenn dies nicht zu Konflikten mit Mitmenschen führt. Alte Baumhöhlen oder Schuppen eignen sich hierfür, wenn sie sich in einer ruhigen Gartenecke befinden. Unter dem Nest in Innenräumen (Schuppen, Dachboden) empfiehlt es sich aufgrund der Hinterlassenschaften, mehrere Lagen alter Zeitungen auszulegen sowie Torf, Sägemehl oder Katzenstreu darauf auszubreiten.
  • Auch ein Hornissenkasten wird gern angenommen. Dieser sollte in mindestens 4 Metern Höhe fest angebracht werden. Die Fluglöcher sollten nach Osten oder Süden zeigen und der Anflug möglichst frei von Ästen sein. Eine sehr kalte oder windige Lage sollte ebenso vermieden werden wie übermäßige Sonnenbestrahlung. Optimalerweise befindet sich der Hornissenkasten im Bereich der Morgensonne und liegt während der Mittagszeit im Schatten. Ränder von Laubmischwäldern sind ebenfalls optimal zur Aufhängung geeignet. Die Reinigung sollte im April erfolgen, indem das alte Nest entfernt und der Kasten einfach ausgebürstet wird. Chemische Reiniger können zum Tod der nächsten Bewohner führen.
  • Hornissennester an sehr ungeeigneten Orten dürfen gesetzlich nicht eigenmächtig entfernt werden. Sie können von Fachleuten umgesiedelt werden, welche man über die zuständige Naturschutzbehörde erreicht.