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Eichhörnchen

Eichhörnchen

 

Informationen über Lebensgewohnheiten und Fütterung 

 

Allgemeines

Auf allen Kontinenten leben ungefähr 230 verschiedene Hörnchenarten, welche sich durch Größe und Aussehen unterscheiden. In tropischen Gegenden finden sich beispielsweise Gleithörnchen. Sie können durch eine Flughaut zwischen Gliedmaßen und Körper beim Sprung durch die Luft gleiten.

Die folgende Abhandlung geht auf das bei uns einheimische europäische Eichhörnchen ein. Diese possierlichen flinken Nagetiere gehören zur Familie der Baumhörnchen und sind eng mit dem Murmeltier verwandte Säugetiere. In Deutschland zählen Eichhörnchen zu den geschützten Wildtieren und gelten glücklicherweise als nicht gefährdet. 

Eichhörnchen

 

Lebensraum

Eichhörnchen leben in Nadel-, Laub- oder Mischwäldern und sind mittlerweile auch als Kulturfolger in städtischen Gebieten zu finden. So kann man sie in Parkanlagen, Gärten und auf Friedhöfen beobachten.

Kobel

Hoch in den Baumkronen ab 6 Metern aufwärts bauen die Tiere ihre Schlaf- und Ruhestätten, sogenannte Kobel. Die Bauzeit beträgt 3 bis 5 Tage; der äußere Durchmesser 30 bis 50 cm. Das Grundgerüst besteht aus Zweigen. Es wird entweder selbst erstellt oder ein geeignetes großes verlassenes Vogelnest (z.B. Elster, Habicht) umfunktioniert. Auch künstliche Kobel von Menschenhand werden angenommen. Die Innenauskleidung besteht aus weichen Materialien wie zarten Zweigen (Bast), Federn oder Moos. Ein fertiggestellter Kobel ist nahezu wasserdicht und schützt vor Kälte. Er besitzt zudem zwei Öffnungen, wodurch im Notfall die Flucht ermöglicht wird. Neben dem Hauptkobel hat ein Eichhörnchen mehrere, etwas simpler gebaute Nebenkobel. So kann es einfach umziehen, wenn ein Kobel nicht mehr sicher erscheint, bei Parasitenbefall oder Verschmutzungen.

Lebensweise

Eichhörnchen sind tagaktiv und halten täglich einen Mittagsschlaf. Sie erreichen in der Natur ein Lebensalter von etwa 3 bis 7 Jahren. Außerhalb der Paarungszeit sind sie überwiegend Einzelgänger, leben gelegentlich allerdings in kleinen Gruppen zusammen, unterstützen manchmal kranke Artgenossen und nutzen denselben Kobel.

 

Eichhörnchen beim Kuscheln

 

In den Wintermonaten halten sie Winterruhe (keinen Winterschlaf!). Ihr Herzschlag verlangsamt sich, wodurch der Energiebedarf sinkt. So schränken sie ihre Aktivität ein und bleiben an besonders kalten oder stürmischen Tagen teils mehrtägig im Kobel. Im Winter sind die Tiere meist ein bis zwei Stunden aktiv, um sich mit Nahrung aus den angelegten Vorräten zu versorgen.

Eichhörnchen können keckernde, schnalzende Laute von sich geben und bei Todesangst auch schreien.

Äußere Merkmale

  • Größe & Gewicht: Die Größe variiert je nach Region mit einer Körperlänge ca. 20 cm bis 35 cm; der buschige Schwanz ist nochmals 15 cm bis 20 cm lang und dient dem Gleichgewicht, der Verständigung unter Eichhörnchen sowie zur Temperaturregulation. Ausgewachsene Tiere wiegen ca. 300 bis 400 g.
  • Fell: Verschieden intensive Rot-, Braun- und Grautöne bis hin zu schwarz. Einflussfaktoren auf die Farben können der Lebensraum sowie das Klima sein. Der Fellwechsel findet halbjährlich zum Wechsel der Jahreszeiten statt. Bei dunkler Fellfärbung werden Eichhörnchen oft fälschlicherweise für eingeschleppte Grauhörnchen gehalten; diese leben allerdings bisher nicht in Deutschland. Grauhörnchen sind größer und wiegen nahezu das Doppelte. Die Fellfarbe unserer einheimischen Eichhörnchen kann sich bei einem Fellwechsel komplett ändern. Am gesamten Körper befinden sich Tasthaare. Charakteristisch sind auch die Ohrpinsel (auch Ohrpuschel genannt), welche besonders im Winter stark ausgeprägt sind.
  • Körperbau: Ihre hohe Körperspannung, muskulöse Hinterbeine, ein besonderes Sprunggelenk und bewegliche lange Krallen machen Eichhörnchen zu flinken Akrobaten in den Bäumen. Sie können kopfüber einen Baum hinunterklettern, sich auf dünnen Ästen halten und bis zu fünf Meter weit springen.
  • Gebiss: Eichhörnchen verfügen über Schneide- und Backenzähne. Diese insgesamt 22 Zähne werden beim Öffnen von Nüssen wie ein Hebel eingesetzt. Interessant ist auch, dass der Unterkiefer geteilt angelegt ist: So können die unteren Schneidezähne 2 bis 3 mm auseinanderbewegt werden, um die Nuss wie mit einer Pinzette schon durch eine kleine Schalenöffnung zu ziehen. Da die Schneidezähne ständig wachsen, ist deren regelmäßiger Abrieb bei der Nahrungsaufnahme überlebenswichtig.

Ernährung

Im Frühling stehen Baumsaft, Blätter, Knospen und junge Triebe auf dem Speiseplan. In der Sommerzeit und im Herbst werden Pilze, Beeren, reife Früchte, Nüsse sowie Sämereien von Laubbäumen, Tannen- und Kiefernzapfen gefressen. Außerdem gehört tierische Nahrung wie Insekten, Würmer, gelegentlich auch Vogeleier und kleine Jungvögel zur Ernährung der Eichhörnchen. Das ganze Jahr über werden Vorräte an verschiedenen Stellen für den Winter angelegt. Im Boden vergraben, wo aus vergessenen Samen neue Bäume entstehen können oder auch in Astgabeln und Baumrinde. Bis zu 10.000 Nüsse und andere Samen können von einem einzelnen Tier gesammelt werden. Die Eichhörnchen finden nicht jedes ihrer Verstecke wieder, verfügen aber über eine Art inneres Navigationssystem, um sich die Verstecke merken zu können. Ihr guter Geruchssinn hilft zusätzlich, Nüsse aufzuspüren. Man geht sogar davon aus, dass die Tiere wissen, wieviel Vorräte sie vergraben haben. Trotz dieser intelligenten Vorratshaltung kann es passieren, dass das Nahrungsangebot zu gewissen Zeiten zu knapp werden kann. In diesem Fall hilft Zufütterung durch den Menschen dabei, dass die Tiere die kritische Jahreszeit überstehen.

 

Eichhörnchen bei der Fütterung

 

Gründe für die Zufütterung von Eichhörnchen

  • Die Tragezeit beginnt bereits ab Januar, trächtige und säugende Weibchen haben einen zusätzlich hohen Energieverbrauch, insbesondere in der kalten Jahreszeit.
  • Junge des ersten Wurfes sind bereits im März/April auf Futtersuche und finden in dieser Zeit noch relativ wenig Nahrung in der Natur.
  • Durch hohe Schneedecken oder Frost können Eichhörnchen in strengen Wintern ihre Vorräte nicht erreichen und drohen dann zu verhungern.
  • Andere Bodenbewohner bedienen sich an den Vorräten der Eichhörnchen, was diese ebenfalls schmälert.
  • Das natürliche Nahrungsangebot schwindet durch intensive Landwirtschaft und überordentliche Gärtner.
  • Eichhörnchen, welche durch den Verlust ihres Lebensraums in städtische Gebiete ausweichen mussten, finden dort meist nicht ausreichend natürliche Nahrung.

Bei der Zufütterung sollte vor allem auf die geeignete Zusammensetzung der Zutaten geachtet werden.

  • Artgerechtes Futter enthält Sämereien, Nüsse, Früchte und Insekten.
  • Zusätzlich anbieten kann man getrocknete Mehlwürmer, Rosinen, Maronen, Bucheckern, Aprikosenkerne, Cashewkerne und Zirbelnüsse. Frische Nahrung wie Mais, Gurke, Wassermelone, Apfel, Birne, Hagebutten oder Kürbis nur im Sommer und Herbst füttern. Im Winter würde es den Verdauungstrakt belasten. 
  • Mandeln sind giftig für Eichhörnchen und Erdnüsse sind oft mit schädlichen Schimmelsporen (Aflatoxinen) belastet!

Aufzucht der Jungen

Eichhörnchen haben oftmals zwei Paarungszeiten. Die erste beginnt im Januar, kann sich bei einem strengen Winter oder Nahrungsmangel bis zum Februar ziehen oder sogar ganz ausfallen. Die zweite beginnt ab April. Nach einer Tragezeit von 38 Tagen bringt das Weibchen 2 bis 6 Junge zur Welt. Die Kleinen werden 8 bis 10 Wochen von ihrer Mutter gesäugt und beginnen anschließend mit der Futtersuche. Mit 3 bis 4 Monaten sind die Jungen selbstständig, bleiben aber noch ein paar Monate in der Gegend des mütterlichen Kobels. 

Eichhörnchen unterstützen durch eichhörnchenfreundliche Gartengestaltung

  • Optimal wäre ein Haselnussstrauch oder Walnussbaum sowie Obst- oder Nadelbäume.
  • Bei der Gartenpflege des Bodens nicht zu akribisch vorgehen, da Eichhörnchen dort ihre Wintervorräte verstecken.
  • Wir empfehlen unser NSC Eichhörnchen Wohnhaus an einem Baum in etwa 3 bis 5 Meter Höhe anzubringen, welches in enger Zusammenarbeit mit der Eichhörnchenhilfe Stuttgart entwickelt wurde.
  • Tipp: Eichhörnchen gestalten ihren Kobel selbstständig. Da sie weiche Stoffe lieben, kann man optional diese in Streifen geschnitten in einem regengeschützten Körbchen als Baumaterial bereitstellen. Auch Kapok in Kombination mit Hanfwolle ist als Nistmaterial geeignet und wird gut angenommen, wenn es zum Beispiel in einem wettergeschützten Kistchen angeboten wird. Der Kobel sollte nur im Oktober/November ohne chemische Reinigungsmittel gereinigt und vor dem erneuten Aufhängen vollständig getrocknet werden.
  • Das empfehlenswerte NSC Eichhörnchen Futterhaus möglichst so hoch im Baum anbringen, dass man es noch befüllen kann; mit gutem Zugang in Form von Astgabeln oder dicken Ästen.
  • Auch frisches Trinkwasser ist sehr wichtig. Es sollte in einer flachen Schale geschützt vor Katzen angebracht werden, da diese natürliche Feinde der Eichhörnchen sind. Tipp: Unsere Vogeltränke zum Aufhängen eignet sich auch für Eichhörnchen.
  • Achtung: Regentonnen unbedingt abdecken, da sie eine häufige Todesfalle für Eichhörnchen und andere Wildtiere sind!

Speziell für Eichhörnchen Aufzucht- und Pflegeeinrichtungen

Für den Einsatz in Volieren (Innenbereich) wie zum Beispiel bei Auffang-, Aufzucht- oder Rettungsstationen für Eichhörnchen bieten wir die NSC Eichhörnchen Futterstation an. Sie wurde in enger Zusammenarbeit mit der Eichhörnchenhilfe Stuttgart entwickelt und bietet große Vielfalt durch getrennte Futterkammern.